Das Strafrecht soll nicht nur bestrafen, sondern konstituiert auch als Ausdruck des verfassungsrechtlichen Gebotes der Verwirklichung der Menschenwürde, dass der Täter wieder in das gesellschaftliche Leben einzugliedern ist.
Nach dem Straf – bzw. Maßregelvollzug, der immer auch repressiv wirkt und dazu führt, dass der Klient den Anschluss an die gesellschaftlichen Bedingungen und Abläufe je nach Unterbringungsdauer verloren hat, stellt sich eine schwierige Lebensphase ein, wo es darum geht, eben diesen Anschluss wieder zu finden. Sehr häufig jedoch sind durch die langen Unterbringungszeiten Hospitalisierungseffekte eingetreten und es haben sich soziale Ängste und Defizite aufgebaut, die die Bewältigung dieses Lebensabschnittes erheblich erschweren können. Darüber hinaus ist es die Aufgabe in modernen Staaten, seine Bürger vor Rückfällen zu schützen, die erfahrungsgemäß mit diesen Defiziten einhergehen. Diese doppelte Aufgabe – Hilfe und Unterstützung einerseits und Verhütung von erneuten Rückfällen andererseits, lässt sich am wirkungsvollsten aus einem beschützenden Rahmen heraus bewältigen, der die entsprechende qualifizierte personelle und sachliche Hilfe sicherstellt, um den Übergang in die neue Freiheit zu einem Erfolg werden zu lassen.  Einerseits Hilfe und Unterstützung bei der Bewältigung dieser Lebensphase zu erhalten, andererseits aber auch den Klienten sicher durch die auf die Entlassung folgende Bewährung zu begleiten und damit auch einen Beitrag zur Rückfallprävention zu leisten, ist ein Aufgabenfeld, dem sich die Welcker Stiftung mit seinem Betreuungsangebot seit mehr als 20 Jahren widmet. Dies kann aber nur unter Verhältnissen geschehen, die dem normalen Leben möglichst angeglichen, aber beschützt und betreut sind. Dies gilt gleichermaßen für  Klienten des Straf – wie auch für solche des Maßregelvollzuges. In dieser Zeit soll gelernt werden, den Tagesablauf sinnvoll zu strukturieren (Arbeits – und Beschäftigungstherapie, sowie Freizeitgestaltung), aber auch die Einhaltung von Absprachen und der Bewährungsauflagen sind von elementarer Bedeutung. Den Betreuern kommt die Aufgabe zu, unterstützend bei der Lösung aller Probleme mitzuhelfen und individuelle Lösungen auf den Weg zu bringen, um somit die persönliche Entwicklung voranzubringen. Daher gehört zu einem wirksamen Straf – und Maßregelvollzug am Schluss die Rehabilitation, die auch der Angleichung der Lebensverhältnisse und deshalb im verfassungsrechtlichen Sinne der Verwirklichung von Gleichheit und Teilhabe (Art. 3 GG) dient.

Als Ziele der Betreuungsarbeit in unserer Einrichtung betrachten wir deshalb die

  • Stabilisierung/Normalisierung der psychosozialen Lebenssituation,
  • Förderung einer eigenverantwortlichen und selbstständigen Lebensführung,
  • Förderung der Arbeitsfähigkeit(möglichst zur Ausübung eines angemessenen Berufes oder einer sonst angemessenen Tätigkeit),
  • Vermeidung erneuter Straftaten,
  • eigenständiges Leben in Freiheit,
  • Stärkung der Übernahme von Selbstverantwortung.
Diese übergeordneten Ziele werden dann in einzelnen Schritten – letztlich definiert in den Hilfeplänen und Einzelabsprachen – umgesetzt.